aus dem Journal

Neue Methode bei Terminaltriebregulierung

Neue Methode bei Terminaltriebregulierung

Rudolf Halter aus dem schweizerischen Giswil pflanzt seit über 30 Jahren Weihnachtsbäume an. In dieser Zeit hat er jahrelang nach der geeigneten Terminaltriebregulierungsvariante gesucht. Nun, nach unzähligen Versuchen, hat er sie gefunden. Exklusiv fürs Nadel Journal stellt er seine Methode vor und hofft, damit einen Beitrag zum qualitätsgerechten Anbau leisten zu können.

Nadelbäume neigen von Natur aus dazu, ab dem vierten, fünften oder sechsten Standjahr übermäßig lange Mitteltriebe zu bilden. Was im Waldbau eine untergeordnete Rolle spielt, ist in Weihnachtsbaumkulturen aber höchst unerwünscht. Millionen bis dahin wohlgeformte Bäume verlieren mit einem plötzlich zu lang wachsenden Leit­trieb die A-Qualität, oder werden in den Folgejahren aufgrund des „nackten Aussehens“ unverkäuflich. 

Die meisten Weihnachtsbaumanbauer benutzen zur Regulierung dieses Wachstums die Top-Stopp-Zange. Viele sind damit zufrieden und möchten nichts anderes. Die Zangenbehandlung bewirkt in den meisten Fällen eine Reduzierung der Trieblänge um etwa 30 Prozent. Nachteilige Effekte sind unschöne Vernarbungen am Vorjahresmitteltrieb und die als Folge der Behandlung oft steil aufgerichteten Seitenäste des obersten Wirtels – wenn man zu stark zwickt.

Bislang hat man unzählige Versuche zur chemischen Regulierung der Trieblänge unternommen, aber damit noch nie absolut befriedigende Resultate erzielt. Professor Jürgen Matschke schrieb 2005 in seinem Buch „Weihnachtsbäume, Wissenswertes über den qualitätsgerechten Anbau“ zur chemischen Triebregulierung Folgendes: „Wirkungsvolle Mittel, die für eine Zulassung oder Indikationslösung künftig in Frage kommen können, wären Prohexadione-Ca, Chlormequat und Mequatchlorid in alleiniger Anwendung oder in Kombination auch in Verbindung mit umwelt­verträglichen Additiven (Agral, Silvert). Weniger wirksam sind die im Zierpflanzenbau auch nur mit Teilerfolg eingesetzten Mittel wie Topflor (Flurprimidol), Ethephon (Ethylen) und Moddus (Trinexapacethyl). Mit steigender Konzentration nehmen nicht nur die Wirkung sondern auch Schadeinflüsse an den Trieben zu. Mit dem in Medax, Regalis und BAS 125 10 W enthaltenen Wirkstoff Prohexadion-Ca (Medax enthält zusätzlich Chlormequat) konnte in Vorversuchen eine Trieblängenreduzierung je nach Individuen der betreffenden Herkunft bis zu 40 Prozent erzielt werden (Austriebbeginn und Neutrieb circa 10 Zentimeter Länge oder 1/4 bis 1/3 der Länge des Vorjahrestriebes). Allerdings wurde dieser Effekt mit hohen Mittel- und Konzentrationsaufwendungen (2,5- bis 3,5-prozentige Lösungen) und wiederholter manueller Triebbehandlung erreicht. Dabei sollte bedacht werden, dass die Wirkung des Wirkstoffes erst nach frü­hestens acht Tagen zu erwarten ist. Nach der Wirkstoffverabreichung erfolgt in dieser Zeitspanne noch ein unbeeinflusster Zuwachs des Triebes. Da der Effekt des Wirkstoffes bereits nach kurzer Zeit abklingt, müsste in Abhängigkeit der Wachstumsbedingungen die Behandlung starkwüchsiger Bäume nach 8 Tagen wiederholt werden. Daher wird von der Methode abgeraten.“ (Anmerk. d. Re­d.: Kurt Lan­ge macht eben­falls seit Jahren Versuche zur chemischen Triebregulierung und hat mit Ethephon gute Ergebnisse (eine Anwendung bei 0,6 %) erzielt, sagt aber, dass die Top-Stopp-Zange noch zu bevorzugen sei, weil man wetterunabhängig agieren kann, und der Einsatzzeitraum länger ist. Davon abgesehen ist die Top-Stopp-Zange der ökologischere Weg.)

Feldversuche der vergangenen 20 Jahre

Bereits Anfang der 1990er Jahre habe ich aufgrund der zu vielen Ausfälle durch überlange Triebe, chemische Versuche zur Längenregulierung unternommen. Ich konnte und wollte nicht verstehen, dass im Zierpflanzenbau Methoden zur Pflanzenstauchung mit einigem Erfolg möglich sind und diese im Weihnachtsbaumanbau nicht auch gelingen sollten. Im Laufe der vergangenen zwölf Jahre habe ich die Versuche intensiviert….. (Autor: Rudolf Halter)

 

veröffentlicht Pflanzen & Pflege